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Gebrauchte Brother KH-940 kaufen: Worauf Techniker beim Testen achten sollten

2026.05.03
Gebrauchte Brother KH-940 mit vergilbtem Gehäuse auf dem Trödelmarkt Stuttgart-Möhringen, Gebrauchtkauf-Check durch einen IT-Techniker

Vergilbter Kunststoff, ein Schlitten der stockt statt zu gleiten, und ein Verkäufer der schwört, alles funktioniere tadellos – genauso beginnt fast jeder Gebrauchtkauf einer Brother KH-940. Auf dem Trödelmarkt Stuttgart-Möhringen stand ein Exemplar aus den frühen Neunzigern vor mir, Nadelbett unter einer feinen Staubschicht, Bedienungsanleitung fehlte komplett. Beruflich prüfe ich als IT-Techniker Systeme, bevor sie live gehen, und bei einer gebrauchten Strickmaschine gehe ich nicht anders vor: erst die Bestandsaufnahme, dann die Kaufentscheidung.

Mechanik vor Optik

Der Ein-Schalter interessiert mich als Letztes. Wichtiger ist, ob sich der Schlitten butterweich über das Nadelbett schieben lässt – in Möhringen war das nicht der Fall, schon nach den ersten Zentimetern ein zäher Widerstand. Schiebt man trotzdem weiter, meldet sich sofort ein feines Kratzen, eine einzelne Nadel die sich verhakt statt gleichmäßig mitzulaufen, und genau das ist das Warnsignal, auf das man achten sollte. Meistens steckt die Sperrschiene dahinter: Der Schaumstoffstreifen unter dem Nadelbett zerbröselt nach 30 Jahren, drückt die Nadeln nicht mehr sauber nach unten, und wer hier mit Kraft nachhilft, verbiegt im schlimmsten Fall Nadeln oder die Schlittenunterseite dauerhaft.

Für das Gerät zahlte ich 450 Euro als Festpreis, ungeprüft, ohne Garantie. Das ist ein fairer Marktwert für diese Serie, solange die Elektronik keine sichtbaren Schäden zeigt. Mit ihren 200 Nadeln ist die KH-940 ein Arbeitstier, das mechanisch kaum kaputtzukriegen ist – vorausgesetzt, man nimmt die Wartung ernst und nicht als lästige Pflicht.

Warum ein Kurztest an der Kasse nichts beweist

In vielen Foren liest man, ein kurzer Testlauf reiche, und wenn ein Muster durchläuft, sei alles in Ordnung. Das ist ein Trugschluss, den ich gerne mit einer missglückten IT-Migration vergleiche: Nur weil die Anmeldung funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass die Datenbank dahinter stabil läuft. Die Brother KH-940 speichert intern 555 fest einprogrammierte Muster, und die Elektronik der 900er-Serie ist zum Glück reparaturfreundlich, weil sie noch auf diskrete Bauteile statt hochintegrierte Chipsätze setzt.

Mein technischer Rat für den Test vor Ort: Verlassen Sie sich nicht auf den schnellen, fehlerfreien Durchlauf als einziges Kriterium. Eine alternde oder verharzte Elektronik zeigt sporadische Programmierfehler oft erst nach einer längeren Aufwärmphase. Ich lasse die Maschine deshalb mindestens 30 bis 60 Minuten laufen und bewege den Schlitten währenddessen regelmäßig, um zu sehen, ob die Musterrapporte auch bei Wärmeentwicklung stabil bleiben.

200 Nadeln, Gauge 9: Die technischen Eckdaten des Nadelbetts

Technisch lohnt sich ein genauer Blick auf das Nadelbett selbst. Die Brother KH-940 bringt 200 Nadeln auf Gauge 9, also einem Nadelabstand von 9 Millimetern, und ist damit auf leichte bis mittlere Garne ausgelegt – für grobe Wolle oder Chunky-Garne ist sie schlicht die falsche Maschine. Mit dem passenden PPD-Aufsatz lassen sich außerdem eigene Muster elektronisch einlesen und direkt an das Nadelbett übertragen, was die Maschine auch für alle interessant macht, die über die 555 internen Muster hinauswollen.

Diese Checkliste entscheidet vor Ort über Kauf oder Absage

Wer eine gebrauchte Brother KH-940 besichtigt, sollte sich nicht auf das Bauchgefühl verlassen, sondern eine feste Reihenfolge abarbeiten. Zuerst die Sperrschiene: Schlitten abnehmen, Nadeln mit einem Lineal flach andrücken, und wenn sie nicht sofort zurückfedern, muss die Schiene neu. Danach die Nadelkanäle prüfen, sauber oder verkrustet, denn verharztes Öl frisst später Stunden bei der Wartung, die man sich hätte sparen können. Als Drittes das Display: Leuchten wirklich alle Segmente der LED-Anzeige, reagieren die Tasten ohne spürbare Verzögerung? Und zum Schluss der Musterabruf, entweder über die Lochkarten-Folien, falls vorhanden, oder direkt über ein internes Muster – das zeigt am schnellsten, ob die Elektronik unter realer Last mitspielt.

Ein Kondensator gibt auf, die Uhr läuft weiter

Vierzehn Arbeitsstunden hat die Instandsetzung am Ende gekostet, davon allein acht für die Tiefenreinigung. Kaum etwas ist mühsamer als das klebrige, zähe Gefühl von verharztem Öl an den Fingern, das sich nur mit Waschbenzin und viel Geduld löst, und jede der 200 Nadeln musste einzeln geprüft und gereinigt werden. Baut man das Nadelbett danach komplett neu auf, zeigt sich schnell, warum die Reihenfolge zählt: Optisch sieht jede Nadel gleich aus, aber sitzt eine falsch, blockiert der Schlitten mitten im Bett – ein Treiberkonflikt in Mechanik sozusagen, bei dem die Adressierung nicht stimmt, obwohl äußerlich alles am richtigen Platz zu sein scheint.

Mitten im ersten echten Belastungstest gab es dann einen lauten Knall, gefolgt von weißem Rauch – ein klassischer Defekt des Entstörkondensators im Netzteil. Nach über drei Jahrzehnten ist das kein Totalschaden, sondern schlichte Materialermüdung, und wer deswegen in Panik gerät, zahlt beim Reparaturdienst unnötig drauf. Für 17 Euro bestellte ich die passenden Bauteile und lötete sie selbst ein, zusammen mit der neuen Sperrschiene für 25 Euro kamen die Ersatzteile auf insgesamt 42 Euro. Wo es Ersatzteile für die 900er-Serie sonst noch gibt und was das realistisch kostet, ist ein eigenes Thema für sich – hier ging es nur um diesen einen Kondensator.

Insgesamt lag die Investition damit bei 492 Euro, deutlich unter dem Preis für generalüberholte Händlergeräte, die oft jenseits der 800 Euro liegen. In meinem Vergleich der verschiedenen Maschinensysteme hatte ich die KH-940 bereits neben eine Silver Reed SK-840 und eine Passap E6000 gestellt – die Brother gewinnt dort vor allem, weil sich Standardbauteile wie dieser Kondensator mit einem handelsüblichen Lötkolben tauschen lassen, während bei der Passap-Elektronik in vielen Fällen der komplette Austausch der Platine fällig wird.

Was vier Wochen mit der KH-940 gebracht haben

In Woche vier liegt das Maßband zum ersten Mal über einer wirklich sauberen Musterprobe – zwanzig Zentimeter, ohne Nachjustierung nötig. Die eigentliche Maschenprobe-Kalibrierung ist ein Thema für sich, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandle, aber dieser Moment war der Beweis, dass die Reparatur nicht nur kosmetisch war, sondern die Maschine tatsächlich wieder präzise arbeitet.

Bevor ich mir überhaupt eine gebrauchte Maschine dieser Art anschaffte, hatte ich versucht, mit dem Original-Handbuch von Brother als eine Art Lehrplan zu arbeiten, ein antiquarisches Exemplar, extra dafür gekauft. Das kann ich nicht empfehlen – zu technisch, keine Übungsstruktur, mehr Bauteilliste als Lehrgang, nach der zweiten Seite lag es wieder im Regal. Was ein strukturierter Kurs am Ende pro Stunde tatsächlich kostet, ist wiederum eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle aufgemacht habe, genauso wie die Frage, ob Lochkarten- oder elektronische Modelle für den Einstieg die bessere Wahl sind.

Ein Bekannter von mir baut seit Jahren an seiner Modelleisenbahnanlage, Signal für Signal, Schwelle für Schwelle, und wenn ich ihm von der KH-940 erzähle, versteht er sofort, warum jemand vierzehn Stunden in ein 30 Jahre altes Gerät steckt, obwohl ein neues Modell günstiger und schneller einsatzbereit wäre. Die Lehre aus diesem Kauf ist simpel: Ein technischer Zustand lässt sich nicht am Preisschild ablesen, sondern nur am Verhalten der Maschine unter echter Last – wer das vor dem Kauf prüft, spart sich hinterher jede böse Überraschung. Die KH-940 bleibt eine Maschine für Leute, die Präzision schätzen und keine Angst vor einem Schraubendreher haben, und wer nur „einfach so" stricken will, sollte eher zu einem neueren, bereits gewarteten Modell greifen.