Reihwerk

Strickmaschinen-Typen im Vergleich: Übersichtstabelle

2026.06.29

Als meine Frau vor sieben Jahren die alte Brother KH-940 vom Dachboden ihrer Mutter geholt hat, habe ich als Erstes auf dem Typenschild nach dem Nadelabstand gesucht — ohne zu ahnen, dass genau diese eine Zahl entscheidet, welches Garn überhaupt durch die Maschine passt. Mittlerweile stehen bei uns vier Strickmaschinen im Haus: die Brother, dazu eine Silver Reed, eine Passap und eine Knitmaster. Jede hat einen anderen Nadelabstand, eine andere Rapportbreite und ihre eigenen Macken. Diese Tabelle ist das, was ich mir damals gewünscht hätte — eine nüchterne Übersicht ohne Verkaufssprache, zusammengetragen aus Herstellerseiten und Fachquellen, nicht aus dem Gedächtnis.

Strickmaschinen-Klassen nach Nadelabstand (Gauge) von fein zu grob, je größer der Nadelabstand desto dicker das Garn: Feinstricker Standard 4,5 mm, Garnstärke 1,5–3,5, typisch etwa 200 Nadeln (Silver Reed SK-280), Modelle Brother KH-830 bis KH-970; Feinstricker Europäisch 5,0 mm, Garnstärke 1,5–3,5, 179 Nadeln pro Bett (Passap Duomatic 80), Modelle Pfaff Duomatik 80, Pfaff E-6000 und Passap Duomatic 80; Mittelstricker 6,5 bis 7 mm, Garnstärke 2,5–5, 132 (Brother KX-350) bis 150 Nadeln (Silver Reed LK-150); Grobstricker 9,0 mm, Garnstärke 3–7, 110 (Silver Reed SK-155) bis 114 Nadeln (Brother KH-260), Modelle Brother KH-230/260/270. Werte sind Richtwerte, die Einteilung ist in der Szene nicht ganz einheitlich
Vier Strickmaschinen-Klassen nach Nadelabstand und passender Garnstärke – zum Einbetten (Credit: maschenwelt.com). Werte sind Richtwerte; die Einteilung ist in der Szene nicht ganz einheitlich.

1. Klassifizierung nach Nadelabstand und Garnstärke

Der Nadelabstand (Gauge) ist das entscheidende technische Merkmal einer Strickmaschine: Je größer der Abstand, desto dicker das Garn, das sich verarbeiten lässt (Maschinenstrickschule). Die Einteilung ist in der Szene nicht ganz einheitlich — manche Quellen unterscheiden bei den Feinstrickern zwischen 4,5 mm (Brother, Silver Reed) und 5,0 mm (Pfaff, Passap, Singer) (Maschinenstrickschule), andere führen beide unter einer gemeinsamen Garnstärken-Klasse (Ribbelmonster). Ich halte mich unten an die feinere Aufteilung, weil sie in der Praxis einen Unterschied macht — meine Passap braucht spürbar dickeres Garn als die Brother, auch wenn beide offiziell als "Feinstricker" durchgehen.

Maschinentyp Nadelabstand (mm) Nadelanzahl (typisch) Empf. Garnstärke (Herstellerskala) Beispielmodelle
Feinstricker (Standard) 4,5 mm 200 (Silver Reed SK-280) (Yarn-Store) 1,5 – 3,5 (Ribbelmonster) Brother KH-830 bis KH-970, Silver Reed SK-280/840 (Maschinenstrickschule)
Feinstricker (Europäisch) 5,0 mm 179 pro Bett (Passap Duomatic 80) (Passap Canada) 1,5 – 3,5 (Ribbelmonster) Pfaff Duomatik 80, Pfaff E-6000, Passap Duomatic 80 (Maschinenstrickschule)
Mittelstricker 6,5 – 7 mm 132 (Brother KX-350) – 150 (Silver Reed LK-150) (Knitting Machine Encyclopedia) (Yarn-Store) 2,5 – 5 (Ribbelmonster) Silver Reed LK-150, SK-860, Brother KX-350 (Maschinenstrickschule)
Grobstricker 9,0 mm 110 (Silver Reed SK-155) – 114 (Brother KH-260) (Yarn-Store) (Knitting Machine Encyclopedia) 3 – 7 (Ribbelmonster) Brother KH-230/260/270, Silver Reed SK-150/155/890 (Maschinenstrickschule)

Die eine Zahl, auf die ich seit der KH-940 vom Dachboden zuerst schaue: Nicht die Marke, nicht das Alter, sondern der Nadelabstand entscheidet, welches Garn überhaupt durch die Maschine passt. Fein zu grob heißt dünnes zu dickem Garn — und wer das vor dem Kauf klärt, spart sich die Wollknäuel, die nie durch die falsche Maschine gehen.

Was diese Garnstärken-Zahlen in der Praxis bedeuten: Für meine Brother (4,5 mm) empfehlen Fachquellen Garne mit einer Lauflänge von 300 bis 750 Metern pro 100 Gramm, für einen Mittel-Grobstricker im ähnlichen Nadelabstandsbereich wie meine Passap-Doppelbett-Ergänzung eher 140 bis 250 Meter (Attraktor Wiki) — das ist ungefähr der Unterschied zwischen einem Sockengarn und einem Wollrest vom Wühltisch. Zum Kurs, den ich nicht noch mal kaufen würde: ein Online-Kurs speziell zur Passap E6000, knapp 90 Euro, der im Kern nur das Handbuch abtippt, ohne auf die Doppelbett-Eigenheiten einzugehen, die mich am Anfang wirklich Zeit gekostet haben. Das fühlte sich an wie eine IT-Migration, bei der die Doku nur die halbe Systemlandschaft beschreibt — am Ende debuggt man doch selbst, Schritt für Schritt, mit der Maschine vor sich auf dem Tisch.

2. Vergleich nach Steuerung und Bauweise

Neben dem Nadelabstand unterscheiden sich Maschinen durch die Art der Mustererzeugung und die Anzahl der Nadelbetten.

Kategorie Merkmal / Funktionsweise Musterrapport (Breite) Status (Stand 2026)
Manuelle Selektion Nadeln werden per Hand oder Schiebekamm vorgewählt. Unbegrenzt (manuell) Hobbybereich (z.B. Silver Reed LK-150)
Lochkartensteuerung Mechanische Abtastung gestanzter Karten zur Nadelvorwahl. 12, 24 oder 30 Maschen (Maschinenstrickschule) Neu verfügbar (Silver Reed SK-280)
Elektroniksteuerung Digitale Musterübertragung per Computer oder Steuergerät. Gesamte Nadelbettbreite Neu verfügbar (Silver Reed SK-840)
Einbett-Maschine Ein Nadelbett; strickt primär glatt rechts oder Fangmuster. - Standard-Basiskonfiguration
Doppelbett-System Zwei gegenüberliegende Betten für Rechts/Links-Gestricke. - Erweiterung oder fest verbaut (Passap)
Rundstrickmaschine Zylindrische Anordnung der Nadeln für nahtlose Schläuche. Fixer Durchmesser Addi Express, Sockenstrickmaschinen

3. Technische Begriffsdefinitionen

Nadelbett
Die Metallschiene (oder Kunststoffplatte), in der die Stricknadeln geführt werden. Was mir nach sieben Jahren mit vier verschiedenen Maschinen aufgefallen ist: Das Metallbett meiner ältesten Brother läuft nach wie vor sauber, während die Kunststoffführung an einer geliehenen Einsteigermaschine schon nach ein paar Monaten spürbar mehr Spiel hatte — ein reiner Erfahrungswert aus meiner Werkstatt, keine Herstellerangabe.
Musterrapport
Die Anzahl der Maschen, nach denen sich ein Muster in der Breite wiederholt. Bei Lochkartenfeinstrickern liegt die Rapportbreite in der Regel bei 24 Maschen (Maschinenstrickschule).
V-Bett (V-Bed)
Eine Bauform, bei der zwei Nadelbetten in einem umgekehrten V-Winkel zueinander stehen, typisch für Industriemaschinen und die Passap-Serie.
Schlitten (Carriage)
Das bewegliche Teil, das über das Nadelbett geführt wird und die Nadeln zur Maschenbildung aktiviert.

Last verified: 2026-07-16

Quellen